Theatergruppe
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Theatergruppe der Sportvereinigung FC 07 Heidelsheim feierte Anfang 2010 25-jähriges Bühnenjubiläum mit dem Lustspiel „Fleischkäs´ und rote Strapse!“ und begeisterte einmal mehr die Zuschauer  Midlife-Crisis – bei den Frauen geht nichts mehr, bei den Männern bricht der zweite Frühling aus, oder umgekehrt? Oder? Da sitzen sie, die Frauen und Männer mittleren Alters. Die Damen daheim bei der Friseurin, in der Küche mit Kaffee, Kuchen und Kitschheftchen. Die Herren beim Kumpel im Esszimmer bei Fleischkäs’ und Bier. Die Damen sinnieren über Blondinen-Gene und schwarze Härchen an den Beinen und über ihre Männer, die nicht mehr vor die Tür wollen. Selbst Nachtclub-Dame Liane (Evi Hartmann) kann die Damen nicht aus ihrer Lethargie reißen. Wozu auch rote Strapse, wenn der Göttergatte ohne Brille ins Bett geht? Die Männer jammern über ihre Frauen, denen neue Locken wichtiger als ein gescheites Essen sind und die nicht mehr von der Couch wollen. Was ist aus ihnen geworden? „I can’t get no satisfaction!“ – damals Sehnsucht, heute Alltag. Ein Alltag freilich, der die Lachmuskeln permanent auf Trab hält. Denn der Alltag spielt auf der Bühne der Theatergruppe des FC 07 Heidelsheim. Und dort geht es unter dem Motto „Fleischkäs’ und rote Strapse“, einem Lustspiel in drei Akten von Regina Rösch dreieinhalb Stunden so richtig rund. Diverse Blicke in so manche Wohnstube darf der Zuschauer werfen, trautes Heim, Glück allein. Mit ständigem Augenzwinkern deckt der Dreiakter Blessierchen der Ehefrauen und –männer auf, die sich gegenseitig unverstanden fühlen, völlig aneinander vorbei leben, sich nach Neuem sehnen und doch das Vertraute wollen. Zu seinem 25. Geburtstag gleich Anfang 2010 hat sich das Ensemble eine zusätzliche Herausforderung gesucht: zwei Bühnen in einer. Links die Friseurküche, rechts das Esszimmer. Abwechselnd wird mal hüben, mal drüben gespielt. Manchmal parallel, wortloses Spiel, das ausschließlich von ausdrucksstarker Gestik und Mimik lebt. Exakt sitzen die Übergänge, genau ist das Timing zwischen dem Wechselspiel. Gerade in diesen Szenen spürt der Zuschauer, dass das Ensemble ein aufeinander eingespieltes Team ist. Besonderer Augenschmaus die stumme Szene, als Gertrud (Nicole Diefenbacher) ihren Koffer packt und ein ums andere Kleidungsstück vor dem Spiegel kritisch testet. Ja, Gertrud und ihre Freundinnen Margarete (Petra Haugl), Hedwig (Andrea Kikillus) und Rosi (Andrea Niederelz) wollen ins Wellness fahren. Besser gesagt sollen, arrangiert von ihren Männern, wollen die doch endlich wieder „Satisfaction“. Zwei Koffer für Schuhe, einen für die Kleider – für Frau völlig ausreichend für ein Wochenende. Nur der Bademantel passt nicht mehr in den Koffer; also muss er in eine „Aldi-Guck“. Derweil machen die Männer auf „Sex, Drugs and Alkohol“ – pardon, auf „Drugs and um so mehr Alkohol“. Und das alles im Hippie-Outfit: Schlaghosen, knallbunte Hemden und Langhaar-, Locken- und VokuHila-Perücken. Dr. Dr. Ansgar Müller-Tiefensee (Piero Pignone), gestrenger vereinsamter Chef des Finanzamts, verwandelt sich gar in Elvis. Und dann legt er mit Hans-Joachim (Jörg Feßenbecker), Peter (Ralf Feßenbecker) und Heinz (Bernd Feßenbecker) richtig los. Aufblasbare Gitarren, „Smoke on the water“, sie sind wieder jung. „Her mit den Weibern“, singen sie und tanzen wild auf der Bühne. Bis der Rücken nicht mehr mitmacht. Szenenapplaus. Die Theatergruppe liefert in nahezu drei Stunden eine ausgelassene Show, die mal feinsinnig schmunzeln, mal vergnügt lachen lässt. Sie überzeichnet die Figuren und Szenen, ohne ins Lächerliche abzudriften. Stets hält die Inszenierung die Balance. Die Akteure zeichnen ihre Charaktere heraus und geben jeder Person ein ganz eigenes Gesicht. Immerhin haben ihnen Wolfgang Kiefer und Herbert Stuck ein wirklichkeitsnahes, aufwändiges Bühnenbild gestaltet, das es Akteuren wie Zuschauern leicht macht, in die Geschichte abzutauchen. Und die Maske von Nicole Keller-Klinger und Sandra Borutta verwandelt die Schauspieler in „Anfangsfünfziger“ ebenso wie in rassige Damen und feurige Italiener voller „Amore“. Doch mehr sei nicht verraten, nur so viel: Es geht um einen Traum in Eiche rustikal, passend für Zwei. Und gewiss wurde „frutti di mare“ noch nie als Liebeserklärung so voller Leidenschaft dahin gehaucht wie beim FC 07.    

Aktualisiert am 25.06.2010